Lorenz Maroldt führte seit 2004 den Tagesspiegel als Chefredakteur. Seit 2025 ist er Herausgeber. Das gemeinsam mit der Deutschen Telekom und der Medienagentur mct realisierte Projekt „Tagesspiegel macht Schule – digital“ erhielt 2025 die Comenius EduMedia-Medaille.
Journalistinnen und Journalisten haben eine besondere Verantwortung bei der Recherche und der Verbreitung von Meldungen. Ihre Glaubwürdigkeit hängt elementar davon ab, dass sie Vorurteile vermeiden und nach bestem Wissen und Gewissen geprüft haben, was sie vermelden. Das ist auch im Sinne einer stabilen Demokratie. Dabei gilt es, einiges zu bedenken, weiß Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt.
#1
QuellenUndKontext
Informationen richtig einordnen
Glaubwürdige Informationen erkennt man nur bei ganzheitlicher Betrachtung von Herkunft, Kontext, Motivation und Plausibilität. Jede Nachricht hat eine bestimmte Absenderperspektive – ob journalistisch, politisch oder kommerziell. Skepsis und Neugier helfen dabei, den Inhalt zu sortieren, zu verifizieren oder zu falsifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Dabei hilft es, Texte verschiedener Absender zum selben Thema zu vergleichen, Originalquellen zu suchen, Widersprüche zu erkennen und Expertenwissen heranzuziehen. Qualitätsmedien arbeiten transparent, nennen Quellen und korrigieren Fehler.
#2
Deepfakes
Wenn der erste Eindruck trügt
Gefälschte Nachrichten und Bilder gab es schon vor der Erfindung des Internets – manche haben sogar Kriege gerechtfertigt oder ausgelöst. Heute sind zwar die Möglichkeiten zur Überprüfung von Nachrichten besser, aber bei digitalen Deepfakes ist es zuweilen selbst für Experten schwer, diese zu entlarven. Stimmen, Gesichter und Bewegungen lassen sich nahezu perfekt imitieren. Es ist deshalb wichtig zu verstehen, dass audiovisuelle Inhalte keine Belege für Authentizität sind. Bevor sie weiterverbreitet werden, müssen sie überprüft werden – mit technischen Mitteln oder durch direktes Nachfragen.
#3
EmotionenAlsSignal
Wie Manipulation wirkt
Absender gefälschter Mitteilungen setzen oft auf Emotionen oder gar Empörung beim Empfänger, weil starke Gefühle zu vorschnellem Handeln verleiten. Deshalb ist es wichtig, vor der Weiterverbreitung von Texten oder Bildern einen Moment innezuhalten, allem tatsächlichen oder vermeintlichem Druck zum Trotz, und sich ganz ruhig folgende drei Fragen zu stellen: Ist die Quelle glaubwürdig? Enthält die Nachricht Belege oder Argumente? Und ist sie unabhängig überprüfbar? Besondere Vorsicht ist geboten bei Aufforderungen wie „Bitte sofort teilen“, auch wenn es um eine scheinbar wichtige oder gute Sache geht.
#4
Fehlerkultur
Mit Irrtümern souverän umgehen
Schlimmer als einen Fehler zu machen, ist es, ihn nicht wahrhaben, vertuschen oder verschweigen zu wollen. Seriöse Absender lassen sich an ihrer Fehlerkultur und Transparenz erkennen sowie an ihrer Bereitschaft, Nachrichten zu ergänzen und zu aktualisieren. Wer immer stur auf dem einmal Behaupteten beharrt, wer ausweicht, verschleiert oder auf Argumente und Fragen gar nicht erst eingeht, erscheint unglaubwürdig und ist es oft auch. Fehler offen einzugestehen, zu korrigieren und ihr Zustandekommen zu erklären, selbst wenn es nur um Details geht, ist ein Zeichen von Qualität, kein Anlass zur Scham.
#5
AnalogerAustausch
Drei sehen mehr als zwei
Ob unter Kollegen, im Freundeskreis oder im Umgang mit Kindern: Das persönliche Gespräch mit Vertrauten über das digitale Erleben stärkt die Resilienz gegenüber Falschnachrichten. Allein schon die skeptische Frage „Bist Du Dir sicher, dass das stimmt?“ nimmt so mancher schnellen Empörung oder Überraschung („Hast Du das gesehen? Das gibt’s doch gar nicht!“) erstmal den Wind aus den Segeln. Zu zweit oder noch besser zu dritt lassen sich Meldungen, Bilder und Behauptungen schneller auf Herkunft, Nutzen für den Absender („Cui bono?“), Plausibilität und Echtheit prüfen – in aller gebotenen Unaufgeregtheit.
Auch gut!
Prüfen, bewerten, entlarven: Das Lernspiel Facts & Fakes der Telekom-Stiftung


