Wechselte mit yourPUSH vom Campus an die Werkbank: Dachdeckermeister Jens Schirmer-Arendt.
In einer Zeit, in der viele Studierende ihren Bildungsweg hinterfragen oder abbrechen, gewinnen praxisnahe und zukunftsfähige Alternativen an Bedeutung. Programme wie „yourPUSH“ schaffen eine Brücke zwischen akademischer Orientierungslosigkeit und Handwerksberufen. Darum stützt beispielsweise auch die Deutsche Telekom mit Initiativen wie der Telekom-Stiftung, Telekom@School sowie MINT- und Digitalprojekten die Bedeutung flexibler Karrierewege und früher Berufsorientierung – knüpft damit direkt an Konzepte wie yourPUSH an.
Sven Hartwig kann zuhören. Er begleitet junge Menschen, beim Hochschulstudium, die ins Stolpern geraten oder ganz stehen geblieben sind. Die Gründe sind unterschiedlich: Vielleicht passt das Studienfach nicht, vielleicht entspricht das Studieren insgesamt nicht den eigenen Erwartungen.
Im ersten Fall kennt Hartwig Kolleginnen und Kollegen aus der Studienberatung, die gemeinsam mit den jungen Erwachsenen prüfen, ob ein anderer Studiengang besser passt. Im zweiten Fall kennt er das Handwerk – genauer gesagt Handwerksberufe und Handwerksbetriebe aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. Im Projekt YourPUSH klärt er mit Studienzweifelnden, ob eine Karriere im Handwerk infrage kommt, und stellt Kontakte zu Betrieben her, die Fachkräfte suchen.

Sven Hartwig, Ansprechpartner und Berater für Studienzweifler bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurt University of Applied Sciences.
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Studium oft Plan A nach der Schule
Seit 2015 existiert das Projekt yourPUSH der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Projektpartner sind unter anderem die Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Die Nachfrage ist hoch: 155 junge Menschen hat Sven Hartwig bereits beim Wechsel von der Hochschule ins Handwerk begleitet, viele weitere gecoacht. Am Anfang steht das Zuhören: Wie ist die Situation? Wo liegen Herausforderungen?
Es folgt eine Analyse persönlicher Stärken und Interessen sowie die Frage, welcher Handwerksberuf passen könnte. Ergänzt wird die Beratung durch Praxiserfahrungen in Betrieben aus Hartwigs Netzwerk. Häufig erlebt er, dass Studierende dem gesellschaftlichen Erwartungsdruck folgen, nach dem Abitur zu studieren. „Das ist für viele richtig – aber nicht für alle“, so Hartwig.
„Wir stärken die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung.“
Prof. Dr. Enrico Schleiff, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Hohe Zahl von Studienabbrüchen
Die Zahlen bestätigen dies: Die Studienabbruchquoten liegen an Universitäten bei durchschnittlich ca. 32 Prozent, an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bei circa 23 Prozent. „Die Frankfurt UAS hat sich der gesellschaftlichen Verantwortung verschrieben. Dazu gehört, Studierende zu unterstützen, die an ihrem Studium zweifeln oder es abbrechen wollen“, erklärt Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt UAS, die seit 2024 Projektpartner ist. Bereits von Beginn an beteiligt ist die Goethe-Universität Frankfurt am Main. „Wir verstehen uns seit vielen Jahren als Partner bei der Gestaltung individueller Bildungswege. Die enge Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer in diesem Projekt eröffnet Perspektiven jenseits der Universität und stärkt die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung“, betont Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Für beide Hochschulen ist die Kooperation eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Beratungsangeboten.
Chancengerechte Bildung
Durchlässigkeit in der Bildung ist ein zentrales Anliegen von YOURPUSH. Auch InteGREATer e. V. engagiert sich für chancengerechte Bildungsbiografien: Im Mittelpunkt ehrenamtliche Vorbilder mit Migrationshintergrund wie beispielsweise Telekom-Mitarbeiter Ömer Faruk Kocak. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter besuchen Schulen und zeigen Schülerinnen und Schüler anhand ihrer eigenen Geschichten, wie Bildungshürden erfolgreich überwunden werden können.
Vom Studienabbrecher zum Gründerpreis-Gewinner
Jens Schirmer-Arendt nutzte vor einigen Jahren das Beratungsangebot von yourPUSH. Sein Bauingenieurstudium verlief nicht erfolgreich, seine praktischen Fähigkeiten hingegen überzeugten. Beim Bau des Elternhauses zeigte sich, dass ihm Bauen, Koordinieren und Anpacken lagen. Gemeinsam mit Sven Hartwig entschied er sich für eine Ausbildung im Zimmererhandwerk. Nach dem Meisterkurs übernahm er 2025 einen Dachdeckerbetrieb in Frankfurt. Heute führt er ein Team, bildet Nachwuchs aus und modernisiert den Betrieb. Beim Frankfurter Gründerpreis 2025 wurde er in der Kategorie „Local Founder“ ausgezeichnet.
Für Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, ist dieser Werdegang ein Beispiel für die Chancen handwerklicher Karrieren. Über 130 Berufe, vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten, Selbstständigkeit und attraktive Einkommen bieten breite Perspektiven. Über den Erfolg von yourPUSH freut sie sich, doch eigentlich würde sie gerne an anderer Stelle ansetzen: „Eine vielfältige und fundierte Berufsorientierung sollte an den allgemeinbildenden Schulen ab Klasse fünf zum festen Bestandteil des Unterrichts gehören“, fordert sie. Dieser Idee können auch Prof. Dr. Enrico Schleiff und Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke etwas abgewinnen. Gut informierte junge Menschen könnten dann Entscheidungen treffen, die sie den richtigen Weg einschlagen lassen – sei es mit einem Studium oder mit einer Ausbildung.

Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt UAS

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main


