Haben ihre Chancen an der Schule genutzt: Sofija Krezic (links), Medienscout während ihrer Schulzeit, und Sonya Khalafok, ehemalige Schulsprecherin.
Wie die katholische St. Benedikt Schule in Düsseldorf ganze Biografien verändert.
Zwischen dem Drogenkiez am Bahnhof und den grauen, sozial benachteiligten Wohngebieten liegt die katholische St. Benedikt Schule. Sie gilt als klassische Brennpunktschule mit vielen Herausforderungen und wenig Privilegien. Und doch wird hier Zukunft gestaltet – mit Tablets und WLAN ebenso wie mit Vertrauen, Fürsorge und Herzlichkeit. Wer durch die Flure geht, merkt schnell, dass hinter jedem Türschild andere Geschichten warten – und dass sich einige davon ganz anders entwickeln als erwartet.
Hier treffen moderne Konzepte auf Lehrkräfte, die weit mehr sind als Wissensvermittler, und auf Schülerinnen und Schüler, die aus vorgezeichneten Rastern ausbrechen und Wege gehen, die man ihnen kaum zugetraut hätte: von der Schlägerin zur Schulsprecherin oder vom Frust zur Verantwortung. Jede Geschichte zeigt: Veränderung ist möglich. In den Klassenzimmern lernt man nicht nur Formeln oder Grammatik, sondern auch, wie man über sich hinauswächst.

Sascha Karpati ist an der St. Benedikt Schule Lehrer für Deutsch, Geschichte und Informatik sowie Mitglied des Kriseninterventionsteams.
Erfolg ist Wissen, was Wert hat
Die Lehrkräfte Nadine und Sascha kennen die Realität dieses Umfelds genau. Häusliche Gewalt, psychische Belastungen, Übergriffe oder Desinteresse von Erziehungsberechtigten begleiten viele Jugendliche. „Wir sehen hier alles, was Gesellschaft ausmacht – aber auch, was ihr fehlt“, sagt Sascha, der seit über zehn Jahren an der Schule unterrichtet. „Disziplinarische Maßnahmen, Polizeibesuche und Konflikte sind keine Ausnahme, sondern Alltag.“ Trotzdem – oder gerade deshalb – geben die Lehrkräfte nicht auf. Mit Leidenschaft, Geduld und Herz begleiten sie Schülerinnen und Schüler dabei, nicht nur Wissen aufzubauen, sondern Werte zu verinnerlichen, Halt zu finden und Perspektiven zu entwickeln. „Aufgeblähte Lehrpläne stehen an zweiter Stelle“, sagt Nadine. „Wir schaffen angstfreie Lernräume. Wenn die stimmen, kann man alles andere nachholen.“

Nadine Wabel ist Digitalisierungsbeauftragte und Lehrerin für Mathematik, Physik, Informatik, Arbeitslehre Wirtschaft, Politik und Erdkunde.
Die gesamte Schule zieht an einem Strang und setzt auf moderne, zukunftsorientierte Ideen: Digitale Bildung als Schlüssel zur Selbstwirksamkeit. Alle Kinder sind mit iPads, Tastaturen und Touchpens ausgestattet. 2024 wurde die Bildungseinrichtung als eine von bislang nur zwei Hauptschulen bundesweit mit dem renommierten Smart-School-Preis von Bitkom und Telekom ausgezeichnet – ein Beweis für den Erfolg des Konzeptes, das Digitalisierung nicht als Luxus versteht, sondern als Chance und Notwendigkeit, Bildung gerechter zu gestalten. In dieser Schule verbindet man digitale Bildung mit echter sozialer Förderung. Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam daran, dass Zukunft nicht vom Postleitzahlengebiet abhängt, sondern von Menschen, die aneinander glauben. „Hier setzen wir an, weil es jeden betrifft“, sagt Nadine. „Wir wollen Deutschland digitalisieren – Wirtschaft, Verwaltung, Prozesse. Da dürfen wir nicht die vernachlässigen, die unsere Zukunft prägen werden.“ Dass Bildung Verantwortung bedeutet, ist für die Lehrkräfte klar. Das Ziel: „Wir schreiben Bildungsbiografien neu“, erklärt Sascha.
„Wir dürfen nicht die vernachlässigen, die unsere Zukunft prägen.“
Nadine Wabel, Lehrerin und Digitalbeauftragte
Ziele haben, Vorbild sein
Ein Beispiel ist Sonya. Einst auffällig und als chancenlos abgestempelt, lernte sie im Schulalltag Schritt für Schritt, Verantwortung zu übernehmen. Bis sie ihren Weg als Schulsprecherin fand. Immer an ihrer Seite: Lehrkräfte wie Nadine und Sascha, die sie unterstützten, ihr Umfeld hinter sich zu lassen und den Abschluss erfolgreich zu meistern. Nun bereitet sie sich in einer anderen Stadt auf das Fachabitur vor. „Eigentlich dachte ich, dass ich Kosmetikerin oder Friseurin werde. Dagegen ist nichts zu sagen, aber jetzt habe ich begriffen, dass ich viel mehr erreichen kann. Ich möchte studieren und dann mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“
Hier und heute steht Sonya vor einer Klasse. Sie strahlt natürliche Autorität aus. Ihre Sprache trägt die feinen Nuancen der Kinder – Alltagssprache und familiäre Einflüsse – genau das bringt sie auf Augenhöhe. Für die Kinder ist sie eine von ihnen und gleichzeitig Vorbild. Die Klasse hört aufmerksam zu. Sie leitet eine Übung auf dem Tablet an, sorgt für Ruhe, gibt klare Anweisungen, lässt nichts durchgehen und sagt: „Wenn ich es geschafft habe, schafft ihr es auch.“ Die Kinder spüren: Sie meint es ernst.
Lernraum und Schutzraum zugleich
Neben digitaler Förderung spielt soziales Lernen eine große Rolle. Mit dem Projekt „Pausengespräch“ ist regelmäßig ein Polizist auf dem Schulhof, nicht um zu kontrollieren, sondern um zuzuhören und präventiv im Austausch zu bleiben. Konflikte werden erkannt, bevor sie eskalieren. Getragen wird dieses Konzept durch Medienscouts: Schülerinnen und Schüler, die anderen beibringen, sich auf dem Schulhof und im virtuellen Raum respektvoll zu begegnen und kritisch mit digitalen Medien umzugehen – etwa beim Erkennen von Fake News.
Let´s Netz!
Subventionierte Internetanschlüsse für Schulen mit Telekom@School
Als sie hier noch Schülerin war, war Sofija so ein Medienscout. Heute wirkt sie ruhig, klar und selbstbewusst. In der St. Benedikt Schule hat sie viel gelernt, unter anderem auch, was sie erreichen kann, wenn sie sich traut. Als einen Meilenstein hat sie ihren Bühnenauftritt zur DigitalX, Europas führende Digitalisierungsinitiative der Telekom, in Erinnerung. In Köln sprach Sofija vor Geschäftsleuten sowie Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten über ihre Erfahrungen als Medienscout, bekam Anerkennung für ihre Erfolge und Applaus für ihren Mut, auch über Rückschläge zu sprechen. „Mucksmäuschenstill war es. Zu erleben, dass ich andere Menschen erreichen und begeistern kann, hat mir irgendwie die Augen geöffnet“. Heute kommt sie gern zurück an die St. Benedikt Schule, absolviert ein Praktikum und übernimmt sowohl die Übermittags- und Hausaufgabenbetreuung der Schulkinder. Sie gibt gern ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Die vielen Maßnahmen, Projekte und Ideen der Schule dienen einem gemeinsamen Ziel: Der Lernraum wird zum Schutzraum. Ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen, entwickeln und an sich glauben dürfen – unabhängig von ihren Startbedingungen.
Nadine sagt: „Wir befähigen Kinder, ihre Talente und Potenziale zu zeigen, egal wo sie starten. Dafür bekommen wir so unendlich viel zurück.“
Was auf den ersten Blick wie eine Problemschule wirkt, entpuppt sich als lebendiges Beispiel dafür, wie Bildung Zukunft gestalten kann – mit Herz, Haltung und Hightech. Und mittendrin entstehen Biografien, die zeigen: Ein Brennpunkt kann ein Ort voller Chancen sein.
Sprachbarrieren überwinden
Jüngstes Projekt: Derzeit testet St. Benedikt als Pilotschule Transcribby im Unterricht. Der KI-Simultanübersetzer der Telekom kann Gesprochenes in Echtzeit aufnehmen, verarbeiten und in mehr als 100 Sprachen übersetzen. Die Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, Sprachbarrieren im Unterricht zu überwinden und die Inklusion von Menschen mit Höreinschränkungen zu fördern.







